Behindertenlift zu laut?

Am 27. Dezember 2019 berichtete die Burgenländische Volkszeitung, dass der von Multipler Sklerose betroffene 49-jährige Ewald S. einen Streit mit seinen Nachbarn in einem Genossenschaftshaus in Purbach habe: Diesen sei sein Hebelift zu laut.

Zwei Nachbarn würden sich laut dem Zeitungsbericht regelmäßig über den durch den Lift verursachten Lärm beschweren. Einer dieser Nachbarn sei bereits von Wohnungstür zu Wohnungstür gegangen, um Unterschriften für eine Entfernung des Hebelifts zu sammeln. Zur Regelmäßigkeit sei es auch geworden, dass die Nachbarin über der Wohnung von Ewald S. mit dem Besen auf den Boden klopft, um so zu verstehen zu geben, dass der Hebelift zu laut sei.

Als Konsequenz empfahl die Erste Burgenländische Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft (EBSG) Herrn S., aufzuzeichnen, wann und wie oft der Hebelift benutzt wird. Dieser befürchtet nun, dass er den Hebelift schlimmstenfalls wieder abbauen muss, wenn die Auseinandersetzungen mit den Nachbarn kein Ende nehmen.

Im Gespräch mit den Redakteuren der Burgenländischen Volkszeitung erzählte Ewald S., dass die Wohnung doch nicht so behindertengerecht sei, wie es im ersten Moment erscheine. So sollte das Waschbecken im Badezimmer eigentlich höhenverstellbar sein. Außerdem habe er die Genossenschaft bereits mehrere Male gebeten, einen elektronischen Türöffner bei der Eingangstür anzubringen. So wäre es ihm möglich, mit seinem Rollstuhl die Wohnung eigenständig zu verlassen und wieder hineinzukommen, um kleinere Einkäufe zu erledigen oder spazieren zu fahren.

>> Bericht in der Burgenländischen Volkszeitung

Stellungnahme der Siedlungsgenossenschaft

„Wie heute mit Herrn Ing. Umgeher schon telefonisch besprochen, möchten wir nochmals folgenden Sachverhalt festhalten, sowie dass keine Aufkündigung seitens der EBSG begehrt wird.
Betreffend der oben angeführten Adresse handelt es sich hier um eine „gewöhnliche“ Wohnhausanlage und keine speziell ausgerichtete Betreuungsstätte. Aus diesem Grund kann auch kein elektrischer Türöffner seitens der EBSG für die Hauseingangstüre installiert werden.“

Stellungnahme der Multiple Sklerose Gesellschaft Burgenland

„Die Multiple Sklerose-Gesellschaft Burgenland findet es empörend, wie mit Menschen mit Behinderungen seitens der Nachbarschaft umgegangen wird. Dies ist ein Umstand, der so nicht akzeptiert und geduldet werden kann. Es ist äußerst diskriminierend für Menschen mit Behinderungen, dass es im Burgenland nicht möglich sein kann, mit einer körperlichen Einschränkung zu Hause zu leben.“

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