Grundlagenforschung: Rolle der Gedächtniszellen

B-Gedächtniszellen spielen in der Aktivierung von T-Zellen bei Multipler Sklerose eine entscheidende Rolle. Schweizer Forschende gehen davon aus, dass das Zusammenspiel dieser beiden Zelltypen der Schlüsselaspekt für die gesteigerte T-Zellvermehrung bei Menschen mit Multipler Sklerose ist.

Zahnräder, Foto: Bill Oxford, Unsplash
Zusammenspiel von B- und T-Zellen als möglicher Schlüsselaspekt für gesteigerte T-Zellvermehrung bei Multipler Sklerose. Symbolbild Zahnräder: Bill Oxford

Trotz großer Forschungsanstrengungen liegen die Gründe für die Entstehung der Multiplen Sklerose (MS) nach wie vor im Dunkeln. Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gehen davon aus, dass die  T-Zell vermittelte Autoimmunreaktion, bei der T-Zellen gegen Antigene im Zentralvervensystem (ZNS) reagieren, eine bedeutende Rolle bei der MS-Entstehung spielt. Bei der Aktivierung der Entzündungsprozesse sind neben den T-Zellen auch die B-Zellen von Bedeutung.

Rolle von Gedächtniszellen bei Multipler Sklerose

Ivan Jelčić und Faiez Al Nimer von der Abteilung für Neuroimmunologie und MS-Forschung am Universitätsspital Zürich und eine Reihe anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versuchten herauszufinden, welche Mechanismen das immunologische Gleichgewicht (Homöostase) bei Menschen mit Multipler Sklerose durcheinander bringen und inwieweit B- und T-Immunzellen an der Entstehung der häufigsten neurologischen Erkrankung des jungen Erwachsenenalters beteiligt sind.

Um der MS-Entstehung auf den Grund zu gehen, entwickelten die Forschenden zuerst ein experimentelles in vitro System, mit dem es möglich war, Veränderungen des immunologischen Gleichgewicht an menschlichen Blutproben zu untersuchen. Sie entdeckten dabei eine erhöhte Zellteilungsrate von T-Zellen – vor allem bei Personen mit dem wichtigsten genetischen Risikofaktor der Multiplen Sklerose: dem humanen Leukozytenantigen HLA-DR 15.

Die T-Zellvermehrung war von der Interaktion mit Gedächtnis-B-Zellen abhängig, und die Elimination der B-Zellen bewirkte eine deutlichen Hemmung der T-Zell-Aktivität bei den von MS betroffenen Personen.

Die Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass das Zusammenspiel der B- und T-Zellen der Schlüsselaspekt für die gesteigerte T-Zellvermehrung bei Menschen mit Multipler Sklerose ist.

Mit weiteren Untersuchungen gelang der Nachweis dieser T-Zellen in aktiven Gehirnläsionen von MS-Betroffenen. Darüber hinaus wurde ein neuen Ziel-Antigen identifiziert, das vor allem in B-Zellen und im Gehirn in Erscheinung tritt.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen beantworten wichtige Fragen zur Interaktion zwischen B-Zellen und T-Zellen und bieten eine mögliche Erklärung der Frage, weshalb die Behandlung mit B-Zell-depletierenden Substanzen bei Multipler Sklerose wirksam ist und könnten damit den Weg zu weiteren, präziseren Behandlungsmöglichkeiten ebnen.

Jelčić und Al Nimer wurden für Ihre Forschungsarbeit mit dem Pfizer Forschungspreis 2020 ausgezeichnet.

Ivan Jelcic, Faiez Al Nimer et al: Memory B Cells Activate Brain-Homing, Autoreactive CD4+ T Cells in Multiple Sclerosis; Cell. 2018 Sep 20;175(1):85-100

Quelle: Universität Zürich

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