Schubförmige Multiple Sklerose

Die Erkrankung beginnt meist mit einem Erkrankungsschub (dieser erste Schub wird auch „klinisch isoliertes Syndrom“ genannt). Im weiteren Zeitverlauf, wenn neuerlich Schübe auftreten, spricht man von einem schubförmigen Erkrankungsverlauf (siehe Abbildung),

wobei insbesondere anfangs eine vollständige Rückbildung der Symptome möglich ist, oder es bleiben nach einem Schub neurologische Defizite bestehen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer frühen medikamentösen Schubprophylaxe!

Der schubförmige Verlauf kennzeichnet die überwiegende Mehrzahl der Verlaufsformen, nach einigen Jahren, individuell sehr unterschiedlich, kann sich allmählich eine neurologische Symptomatik entwickeln, die zu einem langsamen Fortschreiten des klinischen Befundes führt. In diesen Fällen spricht man von einem sekundär chronisch progredientem Verlauf. Bei manchen MS-Betroffenen treten selten zusätzlich Erkrankungsschübe hinzu (sogenannte „aufgesetzte Schübe“) – siehe Abbildung.

Bei frühzeitigem Therapiebeginn mit einem immunmodulierend wirkenden Arzneimittel kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Das bedeutet eine Verminderung der Erkrankungsschübe und eine Verlangsamung des Fortschreitens der Symptomatik (Krankheitsprogression).

Schub-Definition:

Die exakte Erfassung eines Schubes ist bedeutsam, da die Wirksamkeit einer immunmodulierenden Therapie z. T. über die Häufigkeit der Schübe beurteilt wird. „Normale“ Schwankungen der Tagesverfassung und ein Pseudoschub (= die Verschlechterung durch erhöhte Körpertemperatur) müssen abgegrenzt werden; man spricht auch von einem „Uhthoff-Phänomen“ und versteht darunter eine Leistungsverschlechterung durch Fieber, hohe Außentemperatur, Bad in heißem Wasser, etc. Die Patienten können sich schwerer bewegen, die Symptomatik dauert aber nur relativ kurz an, dann gehen die akuten Beschwerden wieder vorüber. Eine Kühlung kann prompt diesen Zustand bessern.

Ein Erkrankungsschub kann zu einer bleibenden neurologischen Verschlechterung führen, wenn die Besserung nur teilweise erfolgt war. Eine gute Rückbildung der Symptome gelingt meist nur zu Beginn der Erkrankung. Eine immunmodulierende Therapie, eine Strategie gegen chronischen psychosozialen Stress und ein Vermeiden von viralen Infekten sind als schubprophylaktische Maßnahmen in diesem Zusammenhang besonders herauszustreichen.

Nach einer Virusinfektion kommt es zu einer allgemeinen Aktivierung der Immunantwort im Körper. Autoimmune Reaktionen werden als „Nebeneffekt“ verstärkt, ein direkter Zusammenhang – indem die Infektion einen Schub auslöst – wird nicht angenommen. Besondere Bedeutung kommt Virusinfektionen der Atemwege zu, bei Patient oder Kontaktperson. Als „Risikoperiode“ werden etwa 14 Tage vor Beginn des Erkrankungsschubes gerechnet.

Einfluss von Stress auf Erkrankungsschübe

Die genauen Zusammenhänge einer entzündlichen Aktivität in Form eines Erkrankungsschubes und Stress sind nicht genau geklärt. Es wird vermutet, dass die Regulation der Zytokine (Proteine, die eine regulierende Funktion ausüben)und der Lymphozyten gestört werden.

In einer Bewertung der American Academy of Neurology 1999 wurden keine Zusammenhänge zwischen einem physischen Trauma und dem Beginn der MS-Erkrankung festgestellt.

Eine den weiteren Krankheitsverlauf beobachtende Studie aus dem Jahr 2003, welche Schübe durch eine ärztliche Untersuchung bestätigte, untersuchte bei 73 Patienten insgesamt 457 Stressereignisse, 134 Schübe und 136 Infektionen. Stress und Infektionen wurden als signifikante Risikofaktoren – unabhängig voneinander – erkannt.