Symptomatische Therapien

Die Behandlung der einzelnen Symptome der MS bildet neben der immunmodulierenden (krankheitsmodifizierenden) Therapie die zweite Säule im Management der MS Patienten. Für viele Patienten kann sie die einzig verfügbare Therapieoption darstellen, z.B. bei primär und sekundär progredienten Krankheitsverläufen. Neben der Beeinflussung einzelner Symptome, der Verbesserung des funktionellen Befundes und der Lebensqualität sollen die symptomatischen Therapiemaßnahmen auch dem wichtigen Aspekt der Verminderung von Folgeschäden und der Vermeidung sekundärer Partizipationsstörungen (Einschränkungen am sozialen Leben) dienen.

1. Fatigue

Ein noch immer von Angehörigen und Ärzten stark unterschätztes Symptom, bis zu 40 % der MS-Betroffenen berichten über tägliche Müdigkeit, bis zu 90 % über ein zeitweises Auftreten. Man unterscheidet eine körperliche und eine kognitive Ermüdbarkeit.

Die Merkmale einer Fatigue sind:

Eine diagnostische Abklärung kann indiziert sein, um das Vorliegen einer Anämie, Schilddrüsenfunktionsstörung, Schlafstörung, Depression etc. auszuschließen.

Therapiemöglichkeiten bei Fatigue:

2. Spastische Paresen

Physiotherapie ist als Basistherapie (es existieren verschiedene Behandlungsmethoden) regelmäßig durchzuführen.

Weitere Möglichkeiten:

Zusätzlich medikamentöse Maßnahmen:

3. Harnblasenfunktionsstörungen

4. Darmentleerungsstörungen

Treten im späteren Krankheitsverlauf relativ häufig auf.

5. Störungen der Sexualität

Unterschieden werden die primären Sexualstörungen, welche direkt auf die MS zurückzuführen sind, die sekundären Sexualstörungen, welche Folge anderer MS Symptome, wie Spastik, Schmerzen etc. sind und tertiäre Sexualstörungen, die eine Folge der psychischen Reaktion auf die Erkrankung darstellen.

Dieses Thema wird leider von Ärzten und MS-Betroffenen häufig tabuisiert. Beratende Gespräche können aber sehr hilfreich sein.

6. Tremor und Gleichgewichtsstörungen/ Ataxie

Medikamentöse Maßnahmen sind leider nicht sehr wirkungsvoll. Mit Hilfe von Physiotherapie und Ergotherapie (Koordinationsübungen, Stabilisierung mit Hilfsmitteln) kann eine gewisse Besserung erzielt werden.

Eine kurzzeitige Besserung ist durch eine lokale Eisapplikation möglich, etwa vor einer Mahlzeit oder einer zu leistenden Unterschrift, zur Verminderung des Zitterns der Hände.

Eine operative Therapie kommt nur selten in Frage (Thalamotomie, elektrische Thalamusstimulation). Es liegen Studien mit relativ kleiner Fallzahl vor, die Indikation ist sehr streng zu stellen, Zurückhaltung ist auch wegen der möglichen ernsten Nebenwirkungen angezeigt.

7. Schmerzen

Schmerzen, welche mit der Erkrankung MS direkt in Zusammenhang gebracht werden, sind in bis zu 80 % der MS-Betroffenen anzutreffen. Mit zunehmender Erkrankungsdauer nimmt die Häufigkeit zu. Chronische Schmerzen können über Entzündungsherde im Rückenmark erklärt werden oder stehen in Zusammenhang mit einer Spastik der Extremitäten (erhöhte Muskelspannung, Krämpfe).

Anfallsartige, oft nur Sekunden dauernde Schmerzen im Gesicht sind eine besondere therapeutische Herausforderung (symptomatische Trigeminusneuralgie): es kommen medikamentöse und operative Behandlungen (Thermokoagulation, Ballonkompression, Dekompression) sowie Bestrahlungen (Gamma-Knife) in Betracht.

8. Kognitive Störungen

Unter kognitiver Störung versteht man eine Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit. Unser Nervensystem besitzt die Eigenschaft, durch fortlaufendes Lernen neue Verbindungsnetzwerke zu bilden, wodurch eingetretene Schädigungen wieder kompensiert werden können.

Kognitive Einbußen bei MS können betreffen:

Therapiemöglichkeiten