Die Bedeutung von Infektionskrankheiten

Infektionen können das Immunsystem beeinflussen und damit den Ausbruch der MS steuern.

MS ist auch keine Infektionskrankheit im engeren Sinne. Nach unserem heutigen Wissen kann man sich mit MS nicht anstecken. Auch konnte bis jetzt noch kein Bakterium oder Virus gefunden werden, das MS verursacht, obwohl es dazu immer wieder Berichte gibt. Trotzdem spielen Infektionen in der Entstehung der Erkrankung eine wichtige Rolle. Derzeit wird ein Zusammenhang mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) diskutiert. Die meisten Menschen machen im Laufe ihres Lebens eine Infektion mit diesem Virus durch. Diese bleibt aber häufig, vor allem wenn man als Kind infiziert wird, völlig unbemerkt. Bei manchen Menschen, typischerweise wenn die Infektion erst im jungen Erwachsenenalter erfolgt, kann EBV allerdings das Pfeiffer’sche Drüsenfieber auslösen. Interessanterweise waren MS-Patientinnen und Patienten im Vergleich zu nicht MS-betroffenen Personen zum Zeitpunkt einer EBV-Infektion im Schnitt älter und machten auch häufiger ein Pfeiffer’sches Drüsenfieber durch. Offensichtlich reagiert das Immunsystem auf Infektionen altersabhängig unterschiedlich und zumindest EBV-Infektionen können anscheinend bei Jugendlichen und Erwachsenen das Risiko der Entstehung einer Autoimmunerkrankung wie der Multiplen Sklerose erhöhen.

Es gibt auch noch eine Reihe anderer, häufig vorkommender Viren und Bakterien, für die ähnliche Zusammenhänge mit der Multiplen Sklerose vermutet werden. Als gemeinsamer Nenner wurde die sogenannte „Hygienetheorie“ formuliert, die besagt, dass übertriebene Hygiene unter Umständen schädlich sein kann. Für die Entwicklung des Immunsystems ist es wichtig, bereits als Säugling und Kleinkind mit bestimmten Infektionen konfrontiert zu werden, da diese Infektionen im späteren Alter das Risiko von Autoimmunerkrankungen erhöhen könnten.

Einen weiteren, von Infektionen unabhängigen Umweltfaktor, der als Ursache für die Multiple Sklerose diskutiert wird, stellen das Ausmaß an Sonnenexposition und möglicherweise damit zusammenhängend der Vitamin D-Stoffwechsel dar. Geringe Sonnenexposition und damit ein niedriger Vitamin D-Spiegel scheinen ein Risiko für die Entstehung der MS darzustellen. Damit ist die Beobachtung gut vereinbar, dass MS vor allem eine Erkrankung der sogenannten gemäßigten Zonen ist und in äquatornahen Gegenden deutlich seltener auftritt.

Auch dem Rauchen und bestimmten Ernährungsgewohnheiten wird eine gewisse Bedeutung für die Entwicklung und den Verlauf der Multiplen Sklerose zu gesprochen.