Die Rolle der Gene

Den größten Einfluss haben Gene, die für Eiweißmoleküle des sogenannten HLA Systems codieren. Die genauen Funktionen dieser Eiweiße sind noch nicht bekannt. Sie scheinen aber unter anderem eine wichtige Rolle in der Antigenpräsentation zu spielen. Dazu muss man Folgendes wissen: Viele Zellen des Immunsystems, auch jene, die in der Entstehung der Multiplen Sklerose eine Schlüsselrolle spielen dürften, reagieren sehr spezifisch. Sie werden aus einem Ruhezustand nur von einer bestimmten, exklusiv von dieser Immunzelle erkannten Eiweißstruktur (Antigen) aufgeweckt. Jede Immunzelle und deren Tochterzellen erkennen immer nur genau dieses Antigen. Diese Eiweißstrukturen sind meistens körperfremd, wie z.B. Bakterien oder Viren. Durch diesen Mechanismus kann eine sehr spezifische Immunabwehr gegen körperfremde Strukturen eingeleitet werden. Es wird auch vermieden, dass körpereigene Strukturen fälschlicherweise erkannt und die oben bereits erwähnten Autoimmunreaktionen ausgelöst werden.

Immunzellen werden nur aktiviert, wenn sie ihr spezifisches Antigen auf ganz bestimmten Zellen, sogenannten „Antigen präsentierenden Zellen“, entdecken. Das HLA System spielt bei dieser Antigenpräsentation eine ganz wichtige Rolle, indem es Antigene nach dem Schlüssel-Schlossprinzip bindet und den Immunzellen präsentiert. Das bedeutet, dass in Abhängigkeit von der Struktur dieser HLA Eiweißstrukturen, die ja genetisch vorbestimmt ist, nicht alle Antigene bei jedem Menschen gleich gut gebunden und den Immunzellen präsentiert werden können.