Einfluss genetischer und Umweltfaktoren

Zwei wesentliche Faktoren steuern die Entstehung von Autoimmunität: Erstens die individuellen Gene der jeweiligen Person und zweitens Umweltfaktoren und insbesondere Infektionen. MS ist aber keine Erbkrankheit im engeren Sinn. Das heißt, MS wird nicht nach den strengen Regeln der Mendel’schen Gesetze vererbt, aber trotzdem findet sich in manchen Familien eine Häufung der Erkrankung. So ist das allgemeine Risiko in Österreich an MS zu erkranken bei etwa 1:1000 (das bedeutet, dass jeder tausendste Österreicher an MS erkrankt ist). Falls in der direkten Linie (also bei Vater oder Mutter) MS vorkommt, ist das Risiko mit 1:100 deutlich höher, aber relativ gesehen immer noch sehr niedrig. Obwohl eineiige Zwillinge ja idente Gene haben, ist nur bei jedem vierten Paar, bei denen ein Zwilling MS hat, auch der andere Zwilling erkrankt.

Auf Grund dieser Beobachtungen kann ausgeschlossen werden, dass es „ein“ MS-Gen gibt. Neueste Forschungen sprechen im Gegenteil dafür, dass die Kombination von zumindest 20 oder noch mehr Genen das Risiko an MS zu erkranken, steuert. In den letzten Jahren konnten durch große internationale Studien einige dieser Gene charakterisiert werden. Interessanterweise steuern die meisten der gefundenen Gene Funktionen des Immunsystems.