MS im Verlauf

Die MS verändert sich im Verlauf

Die Ausbreitung der Entmarkung und die Entzündungsrektionen in Gehirn und Rückenmark ändern sich im Verlauf der Erkrankung. In den frühen Phasen der Multiplen Sklerose wandern die meisten Entzündungszellen von der Blutbahn über die Bluthirnschranke in das Nervensystem ein. Es kommt in dieser Phase der Erkrankung vorwiegend um den auf die großen Hohlräume („Ventrikel“) des Gehirns zulaufenden Venen in der weißen Substanz zur Entzündung und Entmarkung. Im weiteren Verlauf ändert sich aber die Charakteristik der Entzündung: Die Entzündungszellen müssen offensichtlich nicht mehr vom peripheren Blut einwandern, weil sie sich anscheinend auch in den weichen Hirnhäuten (den Meningen), die das Gehirn und das Rückenmark umgeben und auch im Gewebe selbst, vermehren können. Man spricht dabei auch von einer „Kompartmentalisierung“ der Entzündungsreaktion.

Das heißt, die Entzündung wird vom sonstigen peripheren Immunsystem abgekoppelt, und Eingriffe in das Immunsystem haben nur mehr wenig Einfluss auf die Entzündung im Nervensystem. Damit geht auch eine größere Ausdehnung der Entmarkungen einher, die nun auch in anderen Teilen des Gehirns, sogar in der grauen Substanz zu finden sind. Man meint, dass diese Kompartmentalisierung für die Entwicklung der chronischen Phasen der Multiplen Sklerose verantwortlich ist.

Das Nervensystem kann sich selbst reparieren

Entzündungen und Entmarkungen müssen nicht endgültig sein. Das Nervensystem hat eine erstaunlich große Fähigkeit, Schädigungen von Myelinscheiden, Axonen und auch Nervenzellen zu reparieren, zu ersetzen und auch durch Aktivierung anderer Systeme auszugleichen. Auch scheint im Verlauf der MS, die Entzündung weniger aktiv zu werden. Man meint sogar, dass die Multiple Sklerose als Erkrankung im eigentlichen Sinn mit der Zeit überhaupt verschwinden kann. Natürlich bleiben aber leider zumeist trotz der großen Regenerationsfähigkeit des Nervensystems und trotz aller therapeutischen Bemühungen Schäden zurück, und es kann auch nicht mehr so gut auf neue, im Alter häufige Schädigungen wie Durchblutungsstörungen, Alzheimerveränderungen und andere reagiert werden. Aus diesem Grund entsteht dann oft der Eindruck, dass die MS weiter aktiv fortschreitet obwohl sie strenggenommener Weise schon längst „ausgebrannt“ ist.