Steirischer Förderungspreis für MS-Forschungsarbeit

Steirischer Förderungspreis für MS-Forschungsarbeit

Michaela Tanja Haindl von der Universitätsklinik für Neurologie an der Medizinischen Universität Graz erhielt für eine wissenschaftliche Arbeit im Zusammenhang mit Multipler Sklerose den Förderungspreis des Landes Steiermark.

Ratte, schwarz-weiß-Zeichnung
Die kortikale Demyelinisierung beider Gehirnhälten kann durch die Injektion entzündungsfördernder Zytokine über einen implantierten Katheter in die Substantia corticalis von mit 5 μg Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) immunisierten Ratten induziert werden.

Dr. Michaela Tanja Haindl, BSc MSc von der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Graz wurde am 29. November 2019 mit dem Förderungspreis für Wissenschaft und Forschung des Landes Steiermark ausgezeichnet. Den mit 12.000,00 Euro dotierten Preis erhält die Wissenschaftlerin für ihre Arbeit in Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS) mit dem Titel „Widespread cortical demyelination of both hemispheres can be induced by injection of pro-inflammatory cytokines via an implanted catheter in the cortex of MOG-immunized rats“.

Beim Großteil der Menschen mit Multipler Sklerose (MS) nimmt die Erkrankung einen schubhaften Verlauf. Reduziert sich die Häufigkeit der Schübe und kommt es zu einer langsamen klinischen Verschlechterung, spricht man von sekundär progredienter MS (SPMS) – unabhängig davon, ob zusätzlich noch Schübe auftreten oder nicht. Bis zum Übergang in dieses chronisch progrediente Stadium vergehen im Durchschnitt 15 bis 20 Jahre. Die sekundär progrediente Phase entwickelt sich allerdings nicht bei allen MS-Betroffenen, viele verbleiben in einem schubhaften Verlauf. Im Moment gibt es noch keine Medikamente, die spezifisch der Gehirnzerstörung entgegenwirken könnten. Dies liegt vor allem daran, dass es lange kein geeignetes Modell zur Erforschung der Krankheitsmechanismen dieser Phase gab.

Das im April 2017 im Fachmagazin Experimental Neurology vorgestellte Tiermodell schließt diese Lücke und repräsentiert eine verblüffende Ähnlichkeit der Gehirnschäden und zellulären Merkmale, wie man sie von Menschen mit Multipler Sklerose mit sekundär chronisch progredientem Verlauf kennt. Neben der Erforschung der Mechanismen bietet Haindls Modell die Möglichkeit, potenzielle Medikamente auf deren Wirkung auszutesten. Damit ebnet dieses Modell den Weg zur Erforschung eines spezifischen Medikaments, das die Gehirnschädigung in der späten Phase der MS aufhalten oder im besten Fall sogar den Eintritt in diese Phase verhindern kann.

Muammer Üçal, Michaela Tanja Haindl, Milena Z. Adzemovic, Johannes Strasser Lisa Theis, Manuel Zeitelhofer, Klaus Kraitsy, Stefan Ropele, Ute Schäfer, Franz Fazekas, Sonja Hochmeister: Widespread cortical demyelination of both hemispheres can be induced by injection of pro-inflammatory cytokines via an implanted catheter in the cortex of MOG-immunized rats. Experimental Neurology Volume 294, August 2017, Pages 32-44; DOI: https://doi.org/10.1016/j.expneurol.2017.04.014

Quelle: Amt der Steiermärkischen Landesregierung

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