Krankheitsbewältigung

Unsicherheit und Angst begleiten das Auftreten der ersten neurologischen Symptome. Eine klare Diagnosestellung ist die erste Unterstützung. Für manchen Patienten bedeutet die eindeutige Diagnose MS ein Gefühl der Erleichterung, da die Funktionsstörungen zugeordnet werden können, für die meisten Patienten ist es aber zunächst ein Schock (“warum ich ?”). Eine professionelle mit Empathie verbundene Beratung hilft, die Unsicherheit des Patienten positiv zu beeinflussen und die Unberechenbarkeit der Erkrankung zu bewältigen. Das Ziel ist die Herausforderung anzunehmen und in positive Energie umzuwandeln.

Es folgt häufig die Suche nach Informationen über die Erkrankung. In einer Umfrage wurde als wichtigste Informationsquelle der Krankenhausneurologe bezeichnet, gefolgt vom niedergelassenen Neurologen. Danach wurden das Internet, die Zeitschrift der MS Gesellschaft (“Neue Horizonte”), dann der Hausarzt genannt. Die große Verantwortung der Neurologen in dieser sensiblen Phase der Suche nach Verständnis für eine noch nicht verstandene, neue und ernste Erkrankung wird verdeutlicht. Nun existieren eine große Zahl ausgezeichneter Bücher (“Patientenratgeber”, Schriften von Betroffenen), die auch sehr gerne herangezogen werden. Leider sind auch “gefährliche” Schriften im Umlauf und werden im besten Fall von den Patienten zur Diskussion mitgebracht, welche „pseudowissenschaftliche“ Theorien mit fragwürdigen, weil nicht geprüften Therapien anpreisen, welche oft teuer, manchmal auch gefährlich sind. Es ist die Aufgabe der behandelnden Ärzte, hier entgegenzuwirken, immer gesprächsbereit zu sein und auf die Nachteile einer Unterlassung einer geprüften und wirkungsvollen krankheitsmodifizierenden Therapie der MS hinzuweisen.

Manchmal wenden sich Patienten in der sehr frühen Phase der Erkrankung enttäuscht von der Medizin ab und versuchen die MS “zu ignorieren” oder suchen Hilfe bei alternativen Therapien, welche vielleicht auch attraktiver zu seien scheinen als sich häufige Injektionen zu verabreichen. Als alternativ ist eine medizinische Maßnahme oder Therapie zu bezeichnen, wenn keine wissenschaftliche Überprüfung erfolgt war bzw. keine Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit existieren. Eine Vielzahl von alternativen Therapien wird von MS Patienten verwendet und in vielen Fällen besteht kein Einwand, wenn dies in Absprache mit dem behandelnden Neurologen erfolgt war. Es ist durchaus sinnvoll, in Ergänzung zu einer geprüften, auf gesichertem Wissen beruhenden Therapie Maßnahmen wie eine Diät, Yoga, Entspannungstechnik etc. je nach Bedarf durchzuführen. Diese alternativen Behandlungen sollte man dann als komplementäre Therapien bezeichnen.